Die Berliner Polizei hat entschieden, den Taser erneut zu testen

Auf zwei Berliner Abschnitten wird in einem dreijährigen Probelauf getestet, ob sich der Taser, oder das Distanz-Elektroimpulsgerät, als Einsatzmittel bewährt.

Wenn man die Pressemitteilung im facebook liest, wird der Taser zunächst als ergänzendes Distanzeinsatzmittel – zwischen dem Reizstoffsprühgerät und der Schusswaffe angekündigt. Klingt erstmal gut. Das würde bedeuten, dass man, bevor man entscheiden muss, jemanden niederzuschießen, mit dem taser die Möglichkeit hätte, eine wahrscheinlich eskalierende Situation zu bereinigen.

Zudem bietet der angeschaffte Taser die Möglichkeit, aufgesetzt einen Elektroimpuls zu setzenohne Pfeile zu verschießen. Also als Kontaktmittel. Jeder Widerstand, jedes unübersichtliche Handgemenge könnte sich so schnell lösen lassen. Über diese Möglichkeit hätten sich die sechs kürzlich in München verletzten Beamten sicherlich gefreut.

Insofern wäre es eigentlich ein richtig gutes Einsatzmittel.

Ja, richtig … Konjunktiv und ″eigentlich″

Ihr ahnt, dass jetzt ein fettes ABER kommen wird

Klang alles bisher so, als hätte sich jemand Gedanken gemacht, uns ein Einsatzmittel an die Hand zu geben, dass nicht nur verdammt gut wirkt, sondern auch noch die Beamten auf der Straße davor bewahren könnte, in einem Handgemenge verletzt zu werden.

Doch weit gefehlt

Im zweiten Absatz der Mitteilung stellt die Berliner Polizei klar, dass der Einsatz des Taser den gleichen Voraussetzungen unterliegt, wie der Einsatz der Schusswaffe.

Also hat sich jemand wirklich und wahrhaftig Gedanken gemacht.

Hier wird ein Einsatzmittel angeschafft, gleichzeitig wird aber eine Möglichkeit, dieses zum Schutz der Beamten einzusetzen, negiert. Ich erinnere kurz an die Situation vor ein paar Tagen in München, als ein Durchgeknallter insgesamt sechs Kollegen auf der Wache verletzte. Hätte sich mit einem aufgesetzten Elektroimpuls schnell lösen lassen.

Denn entgegen dem Einsatz des Reizstoffsprühgerätes (Pfefferspray), wird nicht die Umgebung kontaminiert. Man kann also weiterarbeiten, ohne selber Ausfallerscheinungen zu erleiden. Darüber hinaus lässt sich die Resistenz gegenüber dieser Stromstöße nicht trainieren. Ganz im Gegensatz zur Resistenz gegenüber des Pfefferspray …

Stromstoß bedeutet zwangsläufig Ruhe

Nun hätte sich der Einsatz des Taser allerdings verboten, weil nicht die Voraussetzungen zum Einsatz der Schusswaffe gegeben waren.

Da hast Du ein Teil zusätzlich am Gürtel, von dem Du weist, dass es den aktuellen Widerstand, den Du hast, sofort beenden könnte. Dass es Dir und Deinem Kollegen einiges an Verletzungen ersparen könnte. Dass Dir möglicherweise einen riesigen Menschenauflauf und ein Dutzend Videos auf youtube ersparen könnte.

Und Du darfst nicht.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach ist die jetzige Situation weniger Gewinn für uns, als vielmehr noch mehr Angriffsfläche, da nach jedem Schusswaffengebrauch hinterfragt werden kann, warum nicht der Taser anstatt der Pistole eingesetzt wurde. Was, falls ein mediengeiler Anwalt klagen sollte, mit erheblichen Folgen für den Schützen verbunden wäre.

Und, verfickte Scheiße nochmal, warum denn ein dreijähriger Probelauf? Bei den Spezialeinsatzkräften ist das Teil seit über 10 (!) Jahren im Gebrauch … und die können kein Urteil darüber abgeben, ob der Taser praxistauglich ist? Oder wie man ihn einsetzt?

Wenn jemand ein Urteil abgeben kann, dann doch die Jungs, die seit über 10 Jahren damit arbeiten …

Ist aber für die Entscheidungsträger wohl ein deutlicher Unterschied, ob Spezialeinsatzkräfte damit arbeiten, oder die Jungs von der Straße …

Zeigt mir, wo ich in der Nahrungskette der Behörde stehe.

Übrigens weiß ich nicht, was ich davon halten soll, auf einem offiziellen Bild der Berliner Polizei einen Beamten zu sehen, der mit einem privat angeschafften T-Shirt posiert, während ansonsten darauf geachtet wird, dass nur Kleidung getragen wird, die über die vorgegebene Quelle gekauft wird.

Aber ist wahrscheinlich nur wieder meine Froschperspektive …

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