Berlin zeigt mit dem „Masterplan“ zum Görlitzer Park erneut, dass es vor der Kriminalität kapituliert.

 

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Polizist bin. Also jemand der vermutlich mehr Kriminalität und Gewalt erlebt, als die meisten der Leser.

Gestern morgen fiel mir fast der Kaffee aus der Hand, als ich im Radio eine Meldung hörte, dass Sozialarbeiter im Görli darauf hinarbeiten wollen, dass sich Anwohner nicht mehr durch die Drogendealer im Görli gestört fühlen sollen …

Geht´s noch? Wir reden hier von Drogenhändlern, die organisiert arbeiten. Der Bezirk will also, dass diese Szene weiter ihr Unwesen treibt, aber gesetzestreue und steuernzahlende Anwohner eine organisierte Kriminalität tolerieren?

Ich kann grad nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte …

Und heute morgen die Meldung, dass ein Masterplan verabschiedet wurde, der vorsieht, dass niemand derjenigen, die als problematisch angesehen werden, als alleiniger Verursacher angesehen werden darf …

Der Park ist für alle da, die ihn derzeit nutzen, niemand soll verdrängt werden, heißt es im Konzept. Also auch nicht die Dealer, betrunkene Partygänger oder Roma–Familien, die im Sommer dort campieren

Jetzt würd ich gerne noch mehr kotzen

Das bedeutet also, dass alles, was wir als Polizisten bisher geleistet haben, ad absurdum geführt wird.

Strafverfolgung ist nicht mehr „gewünscht“. Tausende von Stunden, die sich Kollegen dort ans Bein gebunden haben, werden plötzlich konterkariert. Alle Polizisten, die sich dort bei Festnahmen aufgrund von Widerständen verletzt haben, sind nicht mehr erwähnenswert, geschweige denn, wichtig.

Denken wir kurz zurück … nur ein paar Wochen.

Berlin wurde von Brandstiftern heimgesucht, die Autos in Brand steckten. Einfach nur so, weil sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen wollten, ein besetztes Haus zu behalten. Also gezielte Guerilla zur Destabilisierung des Systems. Würde zur Definition des Terrorismus passen, wäre diese Definition einheitlich anerkannt.

Seinerzeit stand der Innensenator, Herr Henkel, vor der Presse und äußerte mit Nachdruck, dass Rechtsstaat nicht verhandelbar sei. Ein Aufzug der linken Szene führte zu über 100 verletzten Polizisten und wurde als „gewalttätigste Demonstration der letzten 5 Jahre“ in der Presse proklamiert.

Gleichzeitig wurde auch von den Grünen, hier insbesondere Frau Bayram, die Polizei bereits im Vorfeld angeprangert, weil die Kollegen einfach das machten, was unsere Aufgabe ist – bestehendes Recht durchsetzen. Auch zu den Ausschreitungen hieß es, dass es ja eigentlich nicht schlimm gewesen sei. Hierzu passt auch die Positionierung der Piraten, die sich im Vorfeld eher solidarisch mit der Besetzerszene erklärten.

Nachdem also in diesem Jahr bereits über 100 Autos abgefackelt wurden, verhandelt nun der Senat darüber, das besetzte Haus zu kaufen und zu legalisieren … es gibt leider keine zuverlässige Quelle, um den Sachschaden verlässlich zu beziffern, er dürfte aber im siebenstelligen Bereich liegen. Zu den eigentlich Sachschäden kommen schließlich noch die Kräfte der Feuerwehr und Polizei, die durch solche anarchistischen Akte gebunden werden.

Genau so die Statistik des Görli … 875 Strafanzeigen, 25.000 Einsatzkräftestunden.

Für den Arsch und den Mülleimer.

Wieviel persönliche Opfer jeder Kollege für diesen Scheiss gebracht hat, möchte hier nicht einmal fragen.

Ich frage mich immer wieder, warum ich für eine Kuschelpolitik meinen Kopf hinhalte. Die „Einzelfälle“, die ich täglich erlebe, bei denen Straftäter, bei denen, eigentlich für jeden Amateur erkennbar, offensichtliche Haftgründe vorliegen, schneller wieder auf der Straße sind, als unser Bericht fertig ist, sind die eine Seite.

Die offensichtliche Missachtung des Gewaltmonopols der Polizei trifft dabei wesentlich härter, weil es ein öffentlicher Schlag ins Gesicht jedes einzelnen Kollegen ist.

Jeder verletzte Kollege ist ein Familienmensch. Und hier werden jetzt Aufkleber im Stadtgebiet verteilt, die uns sagen, dass „all cops are targets“.

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In der linken Szene wird aufgerufen, dass man uns nach Feierabend – Korrektur für die Amateure: wir haben keinen Feierabend, sondern Dienstende – auflauern solle. Macht schon echt keinen Spaß, für dieses System seinen Kopf hin zu halten.

Als i-tüpfelchen sei hier einfach mal ein „Einzelfall“ eines Kollegen dargelegt, der nach über 5 Jahren die Einstellung seines Verfahrens wegen Widerstandes erhielt  … der Täter, ein Abschiebungspflichtiger, ist seit seines Aufenthaltes in Deutschland über 150 mal festgestellt ( Dunkelziffer ! ), darunter jeweils über 20 mal wegen Raub und Diebstahl aus Kfz, weiterhin Diebstahl, Taschendiebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, gefährliche Körperverletzung, schwerer Diebstahl, Einbruch und Verstoß WaffG…Liste ist nicht vollständig. Er wurde übrigens 2015 aus der U-Haft entlassen. Mit der Anschrift: „Ohne festen Wohnsitz“.

Noch Fragen?

Klar, die erste Frage ist, warum mach ich diesen Scheiß eigentlich noch mit … weil es immer wieder Momente gibt, die diesen Beruf wichtig machen. Sei es die demente ältere Lady, die Du wieder in ihr Heim bringst, oder die Familie, der ihre 10 jährige, behinderte Tochter auf dem Alex weggelaufen ist, und Du sie wieder zusammenbringst.

(politisch nicht korrekte Aussage wurde durch den Autor entfernt)

Ich liebe meinen Beruf trotz allem …

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