Lily Burger, eine Neueröffnung die man sich merken sollte.

Dachten wir, noch bevor wir den Laden im Bötzowviertel jemals gesehen, oder die Speisekarte gelesen hatten. Seit geraumer Zeit schießen ja Burger-Läden in Berlin an jeder Ecke wie Unkraut aus dem Boden, als gälte es, in affenartiger Geschwindigkeit mindestens drei Michelin Sterne abzuräumen. Noch gesünder, noch innovativer, noch spezieller und irgendwie nicht von der Hand zu weisen: Noch veganer ! Aber dafür mit Fleisch.  Das macht die Auswahl nicht unbedingt leichter.

Am Wochenende ist „Lily Burger„, zumindest von außen betrachtet, gerappelt voll.       Muss also geil sein, was da auf die Teller kommt. An einem schnöden Montag spät nachmittags, sind wir dort vorbeigeschneit. Noch bevor wir einen Fuß aufs „Lily Land“ gesetzt hatten, ließen uns zwei dicke, in U-Form hängende Taue, inne halten.                    Ca. 20 Zentimeter dahinter, stand ein schmächtiger, aufgesetzt grinsender „Einlasser“ und bewegte sich nicht. Man hätte meinen können, er wartet darauf, dass wir ihm den Schlüssel für unsere Limousine geben und ihm einen Hunderter zustecken, damit er uns diskret zu einer komplett leeren Bierbank mit vollem Aschenbecher geleitet.  Ich denke, bei Touristen kommt so ein lustiger Spaß, hin und wieder, sicherlich an, wobei das Gehabe doch eher befremdlich wirkt.

„Herzlich Willkommen bei Lily Burger, kommen Sie doch herein“. In einem exquisiten Restaurant macht so etwas durchaus Sinn. Wenn ein Burgerladen aber auf „Szene“ macht, dann kann man sich einen solchen Mumpitz durchaus sparen, es sei denn, man stellt da einen echten „Brecher“ hin, der scheiß geile Klamotten trägt und den man eventuell in präventiver Unterwürfigkeit hinweisen würde:“ Hier ist mein Ausweis, ich darf Burger ab 18 essen“.

Die Speisekarte in schwarz/weiß, hat die Größe einer Tageszeitung und man braucht tatsächlich ein klein wenig mehr Zeit als üblich, um sich durch die große Auswahl an Burgern, Fries, Dips und Extras zu lesen. Alles ist Bio. Das Fleisch für die Burger ist ausschließlich vom Black Angus Rind. Alle Soßen oder z.B. die Fries, sind hausgemacht, dass klingt lecker. Die Bedienung kam recht schnell. Tiger Bier schien uns passend, also erstmal zwei Getränke geordert. Worüber wir aber kurz gestolpert sind, war die Beschreibung „Beef and Vegan Grill-Club“. Und wieso steht „Vegetarian“ nicht vorne drauf, wo es doch in der Karte durchaus Gerichte für Vegetarier gibt? Und was bitte ist ein Grill-Club ?  Gibt es dort für Stammgäste etwa Stempelkarten und sobald die 10er Reihe voll ist, bekommt man die Grill-Club Card Platin?              

Entschieden hatten wir uns erstaunlicher Weise recht schnell. Der „Thor“ und der „Chainsaw Masacre“ Burger, klangen kernig und  köstlich. Bestellt haben wir bei Shawn. Um die Wartezeit zu überbrücken, haben wir uns mal „umgesehen“  und von unseren Außenplätzen einen Blick ins Innere geworfen. Düster war es da, am hellichten Tage. Da wir an einem ordinären Wochentag da waren, gab es auch eine recht überschaubare Anzahl von Gästen, was die Mitarbeiter von Lily Burger sehr unterforderte. Herumstehen und -laufen in aller Gemütlichkeit. Der Barkeeper stand hinter dem Tresen unter einer sehr handlichen, sich drehenden, beleuchteten Diskokugel. Von den Decken hingen an Strippen Energiesparlampen, die in kunterbunten Farben so etwas wie Atmosphäre verbreiten sollten, denke ich. Vielleicht ist es ja auch DAS Interieur, was der Bezeichnung „Grill-Club“  seine Berechtigung geben soll. Für uns ging das, leider, eher in Richtung Spielcasino  mit einem halbseidenen Flair von Partnertausch-Kneipe.

Unsre Burger kamen. Wir hatten das erste Stück im Mund und ich sage:“ Der ist ja nicht mal lauwarm“. Beide Burger hatten die Temperatur eines für 10 Minuten abgestellten Fleischbratlings. Hätten wir über Lieferservice bestellt, wäre dies ja nicht verwunderlich, aber da der Burger direkt frisch aus der Küche kam und wir je gut 12 Taler dafür zahlen sollen: NEE. Geht nicht. Shawn, der unsre Bestellung aufnahm, war sofort am Tisch. Wir finden es selbst recht blöd, wenn man ein Gericht zurückgehen lässt, aber wir hatten uns einfach echt total drauf gefreut. Die Pommes, die wir zusätzlich bestellt hatten, waren hingegen verdammt heiß, super gewürzt, unbeschreiblich kross und „zum sterben“ lecker.                                              

Shawn kam mit unseren neuen Burgern ca. gute 30 Min. später wieder. Der „Thor“ hatte jetzt einiges an Baconscheiben extra drauf. Geil. Und heiß. Nicht Shawn, sondern unsere Burger. Das haben wir auch sofort mitgeteilt. Ohne eine zweites Tiger Bier bestellt zu haben, hatten wir in kürzester Zeit welche auf dem Tisch stehen. Ok…Wow. Während wir uns unserer „Fleischeslust“ hingaben, kamen abwechselnd zwei weitere Mitarbeiter, um sich zu versichern, dass alles ok ist. Jeder hat sich zusätzlich nochmal entschuldigt. Wobei wir jetzt aber erwähnen: Der Service kann nichts für die Küche, demzufolge hätte sich der Koch entschuldigen sollen. Die üppige und sicherlich ernst gemeinte Fürsorge, war mir doch etwas zu viel des Guten.  Nachdem wir feststellten, dass wir den verdammt köstlichen Burger aufgrund seines üppigen Belages und der „normalen“ Größe, leider nicht schaffen werden, fragten wir nach der Rechnung. DIE kam aber erstmal nicht, sondern schon wieder Shawn. Mit zwei frittierten Snickersbällchen als Dessert und als abschließende Aufmerksamkeit des Hauses. Eigentlich passte nichts mehr in uns rein, aber Süßigkeiten und dann noch Schoko frittiert in einem dünnen Teigmantel … WOW…..EIN TRAUM. Bei Shawn haben wir uns nochmal persönlich bedankt, weil er als Service-Mitarbeiter echt aufmerksam  war. Er hat wirklich alles gegeben.

Fazit: Als Szene-Laden, der sich „abheben“ will und sich mit Gästen wie Sido rühmt, sollte sich einfach sicher sein, was man sein möchte:Burgerladen, Design Food In,Grill-Club, Touri-Fast Food Herberge mit „Herzlich Willkommen-Kultur“ oder Kneipen-Restaurant. Wenn man scheinbar mit den höchsten Burgern von 60 cm, ins Guinessbuch oder immerhin „hoch hinaus“ will und ich mich frage, wie man ein solches „Monstrum“ überhaupt essen kann, ohne dass nach 20 Minuten der Rest des Burgers nicht nur arschkalt sein wird, sondern auch der Teller aussieht, als ob eine Wildschweinhorde darübergallopiert ist, hat dass eher den Anschein von unterhaltungsgeiler Fressgier, denn von Esskultur. Eine Homepage, gibt es nicht und auch bei der Schreibweise des Namens war man sich wohl Anfangs teilweise nicht sicher, ob der Laden nun „Lily“ oder Lilly“ heißt. Was das Essen angeht, können wir erstmal nur jenes empfehlen, dass wir selbst auf dem Teller hatten und daran gibt’s, außer dem temparatur-technischen „Faux-Pas“am Anfang, einfach gar nix auszusetzen und wir werden bestimmt dort wieder auftauchen, in der Hoffnung, dass wir dann nicht erst den „Türsteher“ um Einlass bitten müssen.  

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