Wir, Darksight Berlin, hatten im Fritz Club, zwei Bands. Der Headliner war niemand geringerer, als Lord Of The Lost.

Lord of the Lost hatten uns gefragt, ob wir Vlad in Tears als support organisieren können. Jetzt mussten wir, nach kurzer Schnappatmung, auch mal das Ganze sacken lassen. Solche Rampensäue auf unserem eigenen event auf der Bühne – gaaanz fett.

Kurz zusammengefasst: Wir haben also zwei Bands, die für jeden, der auch nur ansatzweise einen Fotoapparat bedienen kann, unglaubliche Szenen und Motive bringen.

Was passiert also zwangsläufig?

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"Gared Dirge - Lord Of The Lost" Pic by Jörg Fischer Concert Pictures                                     

Anfragen zur Akkreditierung ohne Ende, die üblicherweise mit der Vorstellung „Hallo, ich bin Fotograf aus … ´´, oder auch „Ich bin Fotograf für …´´

Ein „Mal ehrlich `Mädels“, an einige von Euch, denkt Ihr wirklich, nur weil Ihr unglaublich viele Bilder auf facebook postet, solltet Ihr Euch Fotograf nennen ?

Lange war die Bezeichnung Fotograf, eine geschützte Berufsbezeichnung. Es ist für gelernte Fotografen ein Schlag ins Gesicht, wenn sich ein Hobbyknipser, nur weil er ’ne Spiegelreflex hat, das Wort „Fotograf“ auf die Fahne zu schreibt. Konzertfotografie ist ein verdammt schwieriges Thema und wird einfach von anderen Regeln bestimmt, als „Blümchen bei Sonnenlicht´´ oder „Tante Gertrud auf ihrem 70. Geburtstag“. Unterirdisches Licht, hektische Bewegungen auf der Bühne, wenig Raum zur eigenen Bewegung, meist auch noch Rücksicht auf andere Fotografen, eine weit offene Blende mit  extrem kurzer Schärfentiefe und Verhältnismäßig lange Verschlusszeiten . Wenn dann noch ein gewisser Anspruch und eine realistische Selbstwahrnehmung dazu kommen … welcher Idiot fängt denn sowas an?

Ganz einfache Antwort –  Konzertfotografen, die diese Herausforderung lieben und stolz sind, wenn wir der Band geile und einzigartige Bilder liefern können. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, im heiligen Graben zu fotografieren, bin ich unter Druck, weil üblicherweise nur die ersten drei Songs ohne Blitzlicht zugelassen sind. Ungeschriebenes Gesetz. Unglaublicher Zeitdruck. Viele Fotografen, die um Bilder und um den besten Platz kämpfen müssen und alles unter Bedingungen, die, wie beschrieben, einfach oft Stress pur bedeuten.

Anders ist es, aus dem Publikum heraus zu fotografieren: Eine tobende Menge um Dich herum, fast alle mit erfrischendem Trunk in der Hand, der unregelmäßig im Umkreis verteilt wird, anstatt das Gesöff einfach seiner Bestimmung zukommen zu lassen, also wegzusaufen. Indes wird der edle Trank auch auf das scheiß-teure Material, für das man sich abgestrampelt hat, verteilt. Also, aufpassen ist angesagt. Oder die beste Variante: Backstage mit Bands, Bilder on stage, natürlich von der Seite, aber einfach mal ohne sich auseinandersetzen zu müssen und ohne zeitliche Einschränkung. Dieses Privileg will aber hart erarbeitet sein, denn das Vertrauen einer Band, dass Ihr backstage Bilder machen könnt, ist einfach mal ne ganz andere Nummer.

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"Joachim Witt - Pic by Sandro Griesbach"

 

Wenn ich mich auf Konzertfotografie einlasse, dann ist mir klar, dass ich Bedingungen vorfinde, die ich irgendwie ausgleichen muss. Vornehmlich über Material, dass aber einfach mal eine scheiß hohe Investition ist. Mit ’nem Billig-Angebot von einem der beiden großen Discounter und einem Kit-Objektiv sollte mir bewusst sein, dass ich einfach extrem eingeschränkt bin. Aber ich nenne mich ja Fotograf, also rotze ich alles raus, was ich knipse … gnadenlos und ohne Rücksicht darauf, ob der Künstler auf der Bühne sein Mikro mitten vorm Gesicht hat, dass sowieso im Schatten liegt und der Focus auf der Hintergrundbeleuchtung liegt… als selbsternannter Fotograf muss ich ja Bilder posten. Und Kunst machen.

 

Auf den Punkt gebracht: Ihr habt einfach mal nicht verstanden, wie die Leute, die sich mit sowas auskennen, also die Konzertfotografen, die sich mit Recht so nennen, ihre Bilder auswählen. Bei den Koryphäen der Konzertfotografie werdet ihr keine Bilder finden, die nicht in jeglicher Hinsicht stimmig sind, und, noch viel wichtiger, die die Bands nicht einfach unterdurchschnittlich aussehen lassen.

Die Bands freuen sich in der Regel über Fotos, aber, aus Erfahrung, sie freuen sich meistens noch mehr über Bilder, die zuerst einmal nen„BÄMM´´-Effekt auslösen und nicht eine `“Wer ist das eigentlich auf dem Bild“-Frage hinterlassen. Alternativ kann ich über Photoshop auch noch ein wenig aus einem, auf den ersten Blick, schwachen, Bild herausholen. Setzt aber voraus, dass ich mit diesem mächtigen Programm wenigstens ein wenig umgehen kann und nicht nur versuche, einen Standardfilter auf das Bild zu klatschen. Ein Teufelskreis für jeden , der damit anfängt. Oder ich arbeite komplett schmerzfrei und setz mich mit dem Arsch auf  „Fotografie“ und denk mir einfach, dass ich auch mit ner völlig überzogenen Bearbeitung, geile Bilder bringen kann. Mal ehrlich: Wer macht denn sowas?

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Chris L. – Frontmann bei „Agonoize

Wir zum Beispiel, weil unser Herz dafür schlägt und wir den Anspruch haben, den Bands geile Bilder zu liefern und auch noch Spaß dabei haben. Sucht, wahrscheinlich. Passion und Anspruch, definitiv.

Wir müssen auch mal kurz auf den Mythos eingehen, dass Konzertfotografen immer wieder geile Konzerte und Partys erleben und im backstage, hemmungslos wilde Orgien feiern.

Lieber Konsument, wenn wir auf Konzerten, auf denen Du Dir einfach mal restlos die Kante gibst, abfeierst und ein ganzes Konzert lang verantwortungsfrei feiern kannst, fotografieren, ARBEITEN wir. Es ist unser Business. Nach dem Konzert, ist unser erster Gedanke nicht die Bar oder der Tresen, sondern die Bilder auf den Rechner zu ziehen, und so schnell wie möglich online zu stellen. Egal zu welcher Uhrzeit. Schnellstmöglich. Natürlich bearbeitet. Und vernetzt…Meist bis in die frühen Morgenstunden. Das ist dann UNSERE Art von Aftershow-Party. Eigentlich ist es immer so, dass wir das Konzert selbst gar nicht „wahrnehmen“, was sehr oft, verdammt schade ist, aber während des Auftrittes, haben wir die Kamera am Auge…deshalb sind wir da.

Wenn allerdings sehr viele von euch den „Anspruch“ haben, in kurzer Zeit 60 Bilder rauszurotzen, anstatt einfach Qualität zu zeigen: Letztendlich macht Ihr die Arbeit derer kaputt, die lange gekämpft haben, einen gewissen Standard zu erreichen, wenn Ihr, sollte etwas brauchbares darunter sein, Bilder verschenkt. Lässt sich für die Musik vielleicht so übertragen: „Die Band ist echt gut aber zu teuer … ich nehme dann lieber die cover-band, die will bestimmt kein Geld“.

Fettes, freundschaftliches und kollegiales Danke an Sandro Griesbach und Jörg Fischer, dass wir hier mit Eurem Einverständnis, Eure grandiosen Bilder benutzen dürfen.           Pics by:

Jörg Fischer Concert Fotografie  All rights reserved                                                                         Sandro Griesbach    All rights reserved                                                                                                 Darksight Berlin Urban Art    All rights reserved

 

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