Kinder.

Immer wieder kann man unfassbare Neuigkeiten zur richtigen „Aufzucht“ dieser putzigen, kleinen Frettchen erfahren.

Nachdem ich heute beim Blick in unsren vollgepfropften Briefkasten, neben Werbung und Briefen auch eine dieser geilen Oldschool Medien, sprich Zeitung, herausgezerrt habe, wollte ich einfach nach jahrelanger Abstinenz, wieder das Gefühl von Papier und Druckerschwärze zwischen den Fingern spüren und habe mich entschlossen, darin zu schmökern.

Hängengeblieben bin ich an einem Artikel,mit einem Foto einer niedlichen Erstklässlerin, die, mit vollem Mund, ein monströses, üppigst belegtes Vollkornbrot in den Händen hält, welches locker eine 4-köpfige Familie für zwei Tage satt machen könnte. Jahaaa..die lieben Kleinen können einem durchaus manchmal die Haare vom Kopf fressen.

Wir, als Eltern, sind ja für jeden noch so kleinen Tipp dankbar, was die vernünftige Fütterung von „Zwergen“ angeht. Ich bin vor Freude fast durchgedreht, als ich gelesen habe, dass Milch nicht nur anders schmeckt, sondern auch noch ganz anders aussieht, wenn man einen Löffel Kakaopulver hinein rührt. Und wir haben das die ganze Zeit mit Senf probiert und uns gewundert, dass unser Kind die Milch angewidert verschmäht hat.

Jetzt wird’s aber spannend, denke ich und lese gierig weiter.

Der absolute Kracher ist der nächste, lieb gemeinte, fürsorgliche Ratschlag, dass Eltern „dem Sohn oder der Tochter, eine dick belegte Stulle, aus zwei Scheiben Brot und geschnittenes Obst in die BROTBOX legen und mitgeben“ könnten. Mann ey, deshalb hat immer der sahnige Käse und die gute Salami an den Büchern geklebt, weil wir das Frühstücksbrot einfach so in die Schultasche gepfeffert haben. Wir sind aber auch manchmal echte Deppen ! Wenn Eltern denn wollen oder können, oder wenn beschriebene Nahrungsmittel aktuell in Hülle und Fülle im Haushalt vorrätig sind, dann lässt sich ein solches Frühstücksbrot doch auch prima als Sozialleistungsempfänger, der es wagt, drei Kinder sein „Eigen“ zu nennen,mit Links bewerkstelligen.

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Tante vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Single ist und wohl nur Kontakt zu Mini’s hat, wenn sie die Verwandtschaft besucht.

Wir haben unserer Little Blondie, die bald die 4. Klasse besuchen wird, immer eine Tüte Tortellini mit auf den Schulweg gegeben. Natürlich die Vakuum verpackten. Ein willkommener, lustiger Knabberspaß im Schulbus. Der Vorteil daran ist, dass man damit den lästigen, wackelnden Milchzähnen den Garaus machen kann. Der Weg zum Dentisten bleibt also erspart.So weit kommt’s noch, dass wir Zeit in die Gesundheitsvorsorge investieren.

Damit das Geschmackserlebnis wirklich optimal ist, bekommt unser Schneckerl noch einen ordentlichen Schwall lauwarme Tomatensoße mit in die Schultasche gepackt. Die Erfindung des Thermobechers ist unbezahlbar.

Die Forschungs-Luzie mahnt mich weiter an: „Einmal am Tag etwas Süßes ist okay, aber nur zuhause, denn in der Schule können Kinder keine Zähne putzen. Wenn die Kinder nicht auf Süßes verzichten wollen, dann empfehle ich eine Stulle mit Schokocreme“. 

Mist. Bei uns gibt’s ganz schön viel Obst zwischendurch. Wieder was falsch gemacht, wieder was gelernt.

„Kinder sollen regelmäßig essen, dass macht sie leistungsfähiger“ und ich sehe bereits zwei erhobene Zeigefinger, die mir aus der Zeitung entgegen drohen. Das erklärt jetzt auch, warum unsre 8-jährige beim renovieren der Wohnung so schnell schlapp gemacht hat, vielleicht ist das unregelmäßige Ruhigstellen mit Erdnussflips und Salzstängchen doch keine so gute Idee…

Ich frage mich, welcher Vollhonk oder realitätsferne Arschkrapfen solche Zeitungsartikel verfasst. Nicht nur, dass das Ganze so Überflüssig ist wie ein Kropf, nein ! Es ist ein Schlag in die Fresse jener Familien, die wirklich alles für ihre Kinder tun was möglich ist, aber die Kohle für ein normales Essen, ausgiebiges Frühstück, geschweige denn für Schulbrote, hinten und vorne nicht reicht. Genau aus diesem Grund gibt es soziale Projekte wie „Die Arche“, wo Kinder, deren tägliche, und GESUNDE Ernährung zuhause nicht gesichert werden kann, regelmäßig essen können.

Übrigens: Im TV läuft jetzt wieder „Bonanza“. Aber ich glaube, dass interessiert keine Sau.

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